Tantra

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Das Wort Tantra (Sanskrit Gewebe, Kontinuum, Zusammenhang ; Befreiung durch Begierde(Tanha) ) ist ein hauptsächlich im Shivaismus[1] und im Vajrayana - Buddhismus gebräuchlicher Begriff. Das eigentlich geheime Tantrasystem geriet besonders durch die Yab-Yum - Darstellungen und das Vama- und das Kaula - Achara in ein Zwielicht.

In so genannten Tantragruppen wird zumeist ein verwirrender Mix aus erotischen Praktiken und Pseudo-Spiritualität angeboten.

Dem Tantra ist gemeinsam, daß seine Darstellung in einer bewusst mißverständlichen Geheimsprache gehalten ist, was auch ähnlich für die Allegorien der Puranas gilt.

Inhaltsverzeichnis

Hinduismus


Im Hinduismus ist Tantra ein religiöser Stil von Ritualen (Vamamarga, Acharas) und Meditation. Der Name wurde zuerst im Rigveda (X.71.9) erwähnt. Die tantrischen Traditionen sind im Shaiva Siddhanta und dem Mantrapīṭha (Bhairava-orientiert) sowie im shaktistischen Vidyāpīṭha und den Kulamārga - Traditionen[2].

Eine als Candrakalāṣṭaka bezeichnete Gruppe von Tantras umfasst Candrakalā, Jyotsnāvatī, Kalānidhi, Kulārṇava, Kuleśvarī, Bhuvaneśvarī, Bārhaspatya und Durvasamatha[3].

Manchmal wird auch zwischen rechtem (weissen) Tantra, gelbem Tantra (Reichtum), rotem Tantra(Sexualpraktiken) und schwarzem Tantra(Zerstörung von negativen Kräften und alternativ Mißbrauch von okkulten Kräften, schwarze Meister) unterschieden.

Shivatantra


Im Shivaismus beinhaltet der Tantrismus die esoterischen Geheimnisse (rahasya-sampradayā). Das shivaistische Tantra ist meistens in Form eines Dialoges zwischen einer Form von Shiva und deren Konsortin wie Parvati niedergelegt. In den Agamas ist Shiva der Zuhörer und Parvati die Lehrende.

Die shivaistischen Hindu-Tantraklassen beinhalten 92 Schriften

  • die 64 Bhairava - Tantras[4] oder kashmirshivaistischen Tantras sind rein monistisch (Abheda :ohne Unterscheidung) und werden in 8 Gruppen aufgeteilt.
  • Die 18 Rudra - Tantras sind Bhedābheda ('mit Unterscheidung und ohne Unterscheidung') oder 'monistisch und dualistisch'.
  • Die restlichen 10 Śiva - Tantras sind Bheda ('differenziert') oder dualistisch.

Die Rudra - Tantras und die Śiva - Tantras werden von den Śaiva Siddhāntins verwendet und sind daher als Shaiva Siddhanta Tantras oder Śaiva Siddhānta Āgamas bekannt. Der aus dem kashmirischen Shivaismus bekannte Kulanarva Tantra ist eine tantrische vielfach missinterpretierte Geheimlehre.

Tantrische Sadhana

Die tanrischen Hauptgötter im Hinduismus haben einen weiblichen Gegenpart(Shakti). Daher gibt es zumeist auch eine tantrische Sadhana(Achara) :

  • Vedacara[5] (Vedische Gebote, vedische Mantren, Agni als Ishta-Deva)
  • Vaishnavacara (Vishnu - Tantra, Vishnu ist der Ishta-Deva)
  • Shaivacara (Shiva-Tantra, Shiva ist der Ishta-Deva)
  • Shaktacara [6] : Dakshinacara (rechter Weg, religiöse Gebote)
  • Vamacara (linker Pfad, bricht religiöse Tabus und kehrt alles bewusst um)[7] (pañca-makăra) : Fisch, Fleisch, Madya, getrocknete Körner, Maithuna (ritualisierter Geschlechtsakt der sog. Viryas) - die Panchamakaras sind eigentlich symbolisch zu verstehen
  • Kaulacara [8][9]

Die betreffenden Ācāras werden dementsprechend klassifiziert : Veda, Vaiṣṇava, Śaiva, Dakṣiṇa, Vāma, Siddhāṇta und Kaula. Zusätzlich wird in die zwei Kategorien Dakṣiṇa(rechts) and Vāma aufgeteilt[10]. Das tantrische Brahma Yamala unterscheidet dakshina, madhyama und vama entsprechend den drei Gunas.

Anwendung in der Sadhana finden

Die Schriften sind bewußt in einer Geheimsprache oder Zwielichtsprache(Sandhabhasa) formuliert, so daß der Uneingeweihte wenig versteht oder mißversteht.

Buddhismus

Tantra (rgyud, Kontinuum) ist im Buddhismus ein kompliziertes System, welches im Vajrayana im Anuttarayoga-Tantra mit Hilfe einer Zwielichtsprache beschrieben wird.
Der Ausdruck wird zuerst im Guhyasamāja erwähnt : 'Tantra wird Kontinuität genannt, und das Tantra wird in drei Aspekte eingeteilt: Boden zusammen mit seiner Natur und Unabdingbarkeit. Die Natur ist die grundlegende Ursache, Boden heißt die Methode, und unabdingbar ist das Ergebnis. Die Bedeutung von Tantra ist in diesen drei enthalten.'

Die Lehren des Tantra haben hier eine äußere, eine innere und eine geheime Bedeutung. Die Eigenschaften, die durch eine bestimmte Gottheit überwunden werden, erscheinen oft symbolisch als Attribute dieser Gottheit.

Traditionell erfordern höhere Tantras eine Ermächtigung und Übertragung von einem qualifizierten Guru oder Lama bevor sie studiert und praktiziert werden. Sie wurden daher in der Regel nicht öffentlich diskutiert.

Die tantrischen Yogatechniken des Mahayoga, des Anuyoga und des Atiyoga(Dzogchen) bauen aufeinander auf.

Literatur

Vajrayana - Tantraliteratur

Referenzen

  1. https://en.wikipedia.org/wiki/Category:Hindu_tantra Hindu Tantra
  2. Sanderson, Alexis. "[The Śaiva Literature]." Journal of Indological Studies (Kyoto), Nos. 24 & 25 (2012–2013), 2014, S. 4-5, 11, 35, 57.
  3. Saundarya Lahari of Sri Sankaracarya: Inundation of Divine Splendour, Swami Tapasyananda, S.66
  4. http://www.kamakotimandali.com/blog/index.php?p=1084&more=1&c=1&tb=1&pb=1
  5. The Devī Gītā: The Song of the Goddess; C. MacKenzie Brown S. 288
  6. http://wiki.yoga-vidya.de/Shaktacara Shaktacara
  7. https://en.wikipedia.org/wiki/Vamachara
  8. http://de.scribd.com/doc/21454480/Sri-Chakra-Puja
  9. http://www.sacred-texts.com/tantra/sas/sas06.htm
  10. Bhattacharya, N. N. History of the Tantric Religion. Second Revised Edition. Manohar Publications, Delhi, 1999. ISBN 81-7304-025-7 S: 368ff

Weblinks



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