Bön

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Das Bön (tibetisch transl.: Bon: bon po) war vor dem Buddhismus die in Tibet vorherrschende Religion. Das Wort Bön bedeutet soviel wie „Wahrheit, Wirklichkeit“ und „Wahre Lehre“. Das ursprüngliche Zentrum des Bön war Shang Shung[1]

Narshi Gonpa Ngawa in China

Nach dem traditionellen Bon kam schon 15000 Jahre (nach anderen Biografien erst 1856 v. Chr.) vor der Geburt des Buddha Shakyamuni der mythische Buddha Tönpa Shenrab Miwoche in diese Welt und legte seine Lehren im Land Olmo Lungring dar.

Om Ma tri Mu Ye Sa Le Du
Tonpa Shenrab

Im 8. Jahrhundert gelangte der Buddhismus nach Tibet und übernahm rituelle und schamanistische Elemente und Bön-Gottheiten. Umgekehrt beeinflusste der Buddhismus die Philosophie des Bön tiefgreifend. Die Bön-Religion konnte sich trotz ihrer gegenüber der buddhistischen Staatsreligion Tibets benachteiligten Position erhalten. 1977 wurde sie als spirituelle Schule von der tibetischen Exilregierung des Dalai Lama etwas zögerlich förmlich anerkannt.

Das Mantra des Mitgefühls ist hier Om Ma tri Mu Ye Sa Le Du anstelle des Om Mani Peme Hung der tibetischen Dorje Thekpa Linien.

Inhaltsverzeichnis

Schwarzer Bön

Der Alte Bön wird auch Schwarzer Bön genannt und unterscheidet sich stark vom neuen Bön. Hier spielen beseelte Naturphänomene und Naturgeister sowie deren Beherrschung oder Besänftigung durch magische Rituale eine wichtige Rolle.

Yundrung

Mystische Heimat von Tonpa Shenrab

2006 wurde das Yungdrung-Bön Zentrum Shenten Dargyé Ling in Frankreich als Kloster einer eigenständigen Glaubensgemeinschaft vom Staat anerkannt.

Yungdrung Bön (Swastika-Bön) oder „Ewiger Bön“ geht auf den Lehrmeister (Tönpa) Shenrab Miwoche zurück, der von den Bön auch als Buddha angesehen wird. Historische Meister der Yungdrung-Bön-Tradition sind Tapihritsa und Drenpa Namkha.

Die Lehren dieser Schule umfassen mehr als 200 Werke. Darunter finden sich auch Schriften zu Philosophie, Heilkunde, Metaphysik und Kosmologie. Besonders die philosophischen Grundlagen stehen denen der Buddhisten nahe.

Tonpa Shenrab teilte seine Lehren in zwei Systeme auf :

  1. Thegpa Rimguì Bon (Theg-pa rim-dguì bon), das 'Bon der aufeinanderfolgenden Stufen' oder bekannter die '9 Wege des Bon', von denen es 3 Versionen gibt : Lhoter (lho-gter) oder 'Südlicher Schatz', das Jangter (byang-gter) oder 'Nördlicher Schatz' (Gongpa Zangthal ; Wyl. dgongs pa zang thal) und das Uter (dBu-gter) oder 'Zentraler Schatz'
  2. TGozhi dzonga (sGo-bzhi mdzod-lnga), die 4 Portale und der Schatz, das 5te.

Südlicher Schatz

Bön Dharmakaya-Buddha Tapihritsa - um 700 - einer der beiden Hauptmeister der Dzogchen-Linie des Zhang Zhung
Ausschnitt aus dem Bön Lebensrad

Nach dem System des lho-gter (Südlicher Schatz) sind die neun Wege:

  1. Weg der Vorhersage (phyva gshen theg pa) - kodifiziert Ritual, Prognose, Wahrsagen und Astrologie
  2. Weg der visuellen Welt(snang shen theg pa) - detailliert das psychophysikalische Universum
  3. Weg der Illusion (phrul gshen theg pa) - erklärt Riten für die Verbreitung von negativen Gedankenformen, Wesen und Energien;
  4. Weg der Existenz (srid gshen theg pa) - beschreibt Begräbnis- und Todesrituale
  5. Weg des Laienanhänger(dge bsnyen theg pa) - enthält 10 Prinzipien für für gesunde Aktivität
  6. Weg des Mönches (drang srong theg pa) - kodifiziert klösterliche Regeln und Vorschriften
  7. Weg des primordialen Tones A(a dkar theg pa) - legt die Integration eines erhabenen Praktikers in das Mandala der höchsten Erleuchtung fest
  8. Weg des primordialen Shen, (ye gshen theg pa) - gibt die Leitlinien für die Suche nach einem wahren tantrischen Meister und die Verpflichtungen (dam tshigs, parallel zum Sanskrit Samaya), die ein Schüler an seinen tantrischen Meister binden
  9. Weg der höchsten natürlichen Rohzustandes (bla med theg pa) bzw. des Dzogchen.
Zweite Klassifikation
Bon-po Gottheit gSen-lha 'od-dkar

Die zweite Klassifikation wird ' Portale und der Schatz, das fünfte' genannt :

1. Chab-kar (Chab-dkar), die 'weissen Wasser', enthält Zaubersprüche und höhere esoterische tantrische Praktiken.

2. Chab-nag (Chab-nag), die 'schwarzen Wasser' , besteht aus verschiedenen Ritualen (Heilung, Reinigung, Magie, Wahrsagerei, Vergöttlichung, Grabrituale und Lösegeld - Rituale).

3. Phenyul (“Phan-yul), das "Land der Phen", erklärt Regeln für Mönche und Nonnen und Laien und legt philosophische Lehren dar.

4. Ponse (dPon-gsas), die 'Führung des Meisters', weist in psycho-spirituelle Übungen und Meditationspraktiken der Großen Vollkommenheit (rdzogs-chen).

5. Thothog (mTho-thog), der "Schatz", subsumiert die wesentlichen Aspekte aller vier Portale .[2]

Dzogchen

Zusammen mit dem spirituellen Leben gibt es spezielle Methoden des Übens in der Verfolgung spiritueller Vervollkomnung. Die angesehensten Praktiken sind die der Dzogchen (Rdzogs-chen, "Great Perfection") - Traditionen.

Es gibt vier Ströme oder Methoden der Meditation im Dzogchen, die zusammen als A-Dzog-Nyengyud bekannt sind :

1. A-Tri (A-khrid), die 'Lehre auf A', gegründet im 11ten Jahrhundert von Dampa Meu Gongje Ritro Chenpo (1038–1096)

2. Dzogchen, gegründet ca. 1088 A.D. von terton Zhoton Ngodrub Dragpa (gZhod-ston dNgos-grub Grags-pa);

3. Nyengyud - der volle Titel ist Zhang zhung sNyan-rgyud, die mündliche Übertragung von Zhang-Zhung

4. Yeti tasel, eine Linie, die sich von Tonpa Shenrab herleitet, die sich von Indien verbreitete und vom Sanskrit in das Zhangzhung-pa übersetzt wurde.

Das Zhang zhung sNyan-rgyud ist die älteste und bedeutenste Dzogchen - Tradition bzw. das älteste Meditationssystem im Bon.

Während die anderen drei Terma - Traditionen auf wiederentdeckten Texten basieren, ist die dritte eine mündliche Tradition, die auf kontinuierlicher Übertragung durch eine ununterbrochene Linie von Meistern beruht.

Der Zhang-Zhung Nyangyud - Zyklus der Lehren wurde erstmals schriftlich von dem wichtigen Meister Gyerphung Nangzher Lopo im 8. Jahrhundert niedergeschrieben, dem vordersten Schüler von Tapihritsa (ta- pi-HRA-tsa), der von den Bönpos als die Vereinigung aller Linienmeister verehrt wird.

Chod

Es gibt noch ein anderes wichtiges Meditationssystem namens Chod (gCod), 'Schneiden des Ichs' welches von Laien, Ngagpa und Mönchen gleichermaßen praktiziert wird. Die Zwecke des Chod sind Großzügigkeit zu generieren, Angst zu zerstreuen, Anhaftung zu überwinden.[3] Hierhin gehören auch die fünf Kriegersilben A - OM - HUNG - RAM - Dza .

Neuer Bön

Bonpo-Gottheit Kunzang Akor LACMA

Der reformierte Neue Bön entwickelte sich ab dem 14. Jahrhundert und steht systematisch zwischen Yungdrung-Bön und dem buddhistischen Nyingma. Er ist gekennzeichnet durch eine Fülle von komplexen Ritualen und bildet eine Synthese von Elementen des Yungdrung-Bön und der Nyingma(Termas). Ein berühmter Meister des neuen Bön war Bönzhig Yungdrung Lingpa, der als Nyingma-Tertön auch unter dem Namen Dorje Lingpa (1346–1405) bekannt wurde.

In Bon sind die fünf Elementeprozesse Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum die essenziellen Elemente aller existierenden Phänomene oder skandhas (Aggegate), deren die subtilste Aufzählung als die fünf reinen Lichter bekannt ist.

Zu den 9 Lehren des Bön gehört auch die höchste Vollendung (Dzogchen).

In der Bön-Mythologie gibt es neben einzelnen Göttern noch sehr viele Gruppen von Geistwesen, die gutartig oder bösartig sein können.

Als Beschützerin der Bön-Tradition wird Palden Lhamo gesehen, die älteren Ursprungs ist und deshalb auch von Bönpa verehrt wird. Im Bön wird sie auch Srid (pa'i) rgyalmo genannt. Sie gilt als große Mutter und als Symbol der Rhythmen von Leben und Tod.

Literatur

Referenzen

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Shangshung Shangshung
  2. http://bon-encyclopedia.wikispaces.com/file/detail/ACollectionOfStudiesOnBon.pdf
  3. http://vajrayana.faithweb.com/ACollectionOfStudiesOnBon.pdf

Weblinks



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